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Bürgerbusse

Lückenbüßerbus?

Abgelegene Ortschaften kann der öffentliche Nahverkehr nur schwer rentabel erreichen. Doch da halten Bürgerbusse, gelenkt von Ehrenamtlichen. Aber die werden oftmals ausgebremst.

(13.10.2022) Während die Verkehrsminister von Bund und Ländern über einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket beraten, werden in mehreren ländlichen Gemeinden Deutschlands Pläne geschmiedet, damit die Bevölkerung überhaupt ein komfortables Fortkommen im ÖPNV genießen kann. Bürgerbusse und damit Ehrenamtliche hinter deren Lenkrädern sollen diese Versorgungslücken schließen.

Mehr als Ergänzung statt als Lückenfüller möchte die Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden ein geplantes Bürgerbus-Projekt verstanden sehen: „Der Bürgerbus ist ein sinnvolles zusätzliches Angebot für mehr Mobilität im ländlichen Raum und damit genau richtig für unsere Verbandsgemeinde“, erklärt Bürgermeisterin Sabine Wienpahl, SPD, und verspricht mehr soziale Teilhabe derjenigen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien. „Bürger fahren Bürger, legen Routen fest und bedienen die Buchungsplattform. Die große Stärke des Bürgerbusses ist seine Flexibilität.“ Dafür werde eigenes Geld in die Hand genommen, sie hoffen aber auch auf eine Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz.

Bürgerbus: dehnbarer Begriff

Läuft bei der Realisierung alles nach Fahrplan, entstünde hier ein weiteres Bürgerbus-Angebot auf einer Liste von etwa 350 in ganz Deutschland. Seit nunmehr fast 40 Jahren rollen sie hierzulande. Das Konzept: Mit Geld vom Land öffentlichen Nahverkehr unterstützen in jenen ländlichen Regionen, in denen sich wegen geringen Fahrgastaufkommens eine kommunale Bereitstellung nicht rentiert. Die Förderrichtlinien forderten einst: keine Personalkosten, günstige Fahrpreise, fester Fahrplan im Linienverkehr und keine Konkurrenz zu bestehenden Linien.

Doch mittlerweile scheint dieser Grundgedanke je nach Bundesland aufgeweicht: „,Bürgerbus‘ ist kein geschützter Begriff“, bemängelt Franz Heckens, Vorsitzender des Verbands „Pro Bürgerbus NRW“ und seit zwei Jahrzehnten im Erfahrungsaustausch zwischen Bürgerbus-Projekten engagiert. „Ich hörte von einem Angebot, bei dem eine Gemeinde einen Bus zu einer Theaterveranstaltung schickte und ihn Bürgerbus nannte. Das war aber kein regelmäßiges Angebot und hatte nichts mit öffentlichem Nahverkehr zu tun. Es wird oftmals irgendetwas gemacht, was nicht konzessioniert ist und damit rechtswidrig.“

Freude erfahren, aber auch Bürokratie

Immer wieder führen Kritiker an: Der Bürgerbus diene manchen Kommunen als Deckmantel für lückenhaften Nahverkehr, mit dem sie sich zudem in ein bürgernahes Licht rückten. Und Kosten sparten: Das Gehalt eines professionellen Busfahrers fällt weg – wenn er überhaupt aufgrund Fachkräftemangels zu finden wäre.
Bürgermeisterin Sabine Wienpahl verwahrt sich dieses Anscheins. Der Bürgerbus sei eine Ergänzung in einem Bereich, der so bisher nicht durch den ÖPNV abgedeckt sei. „Von Abwälzen der Grundversorgung kann also keine Rede sein.“ Ihr Bürgerbus fahre anlassbezogen von Tür zu Tür, ausschließlich innerhalb ihrer Verbandsgemeinde. Nebeneffekt: „Wie wir aus anderen Bürgerbus-Regionen wissen, wird der Bürgerbus auch gerne genutzt, um das soziale Bedürfnis nach Kommunikation zu befriedigen und soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten.“

Das sieht auch Franz Heckens als Antrieb der Bürgerbusse: „Das Lenken des Bürgerbusses bereitet viel Freude, weil man von den Fahrgästen positive Resonanz und Dankbarkeit erfährt. Außerdem erfährt man alles, was an Klatsch im Dorf verbreitet wird“, lächelt Heckens. Für die, die sich um Fahrzeug, deren Beschaffung und Fördermodalitäten kümmern, werde es hingegen schon mal anstrengend. „Daran sind Bürgerbus-Projekte auch schon gescheitert.“

Corona-Folgen fahren mit

Tatsächlich tun sich neben Bürokratie immer wieder andere Bremshügel vor der Frontscheibe der Bürgerbusse auf: Nicht nur müssen Menschen aufgetrieben werden, die sich ehrenamtlich hinters Steuer setzen. Es geht auch ums Geld: Viele Bürgerbusse vermelden nur die Hälfte an Fahrgästen im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Corona-Pandemie. Die Masken-Pflicht und Angst vor Ansteckung im Kleinbus schreckt zu viele Nutzer ab, der Erlös aus deren Fahrscheinen fehlt.

Ebenso hat das 9-Euro-Ticket Nachwirkungen: Dessen Inhaber sollten Bürgerbusse auch mitnehmen und der Einnahmeausfall über Rettungsschirme ausgeglichen werden. „Staatliche Hilfen abrufen ist aber oft schwer zu leisten, wenn entsprechende Daten bereitzustellen sind“, schildert Heckens aus den Rückmeldungen vieler Bürgerbus-Projekte. „Noch dazu müssen sich die Bürgerbusse das Geld vom örtlichen Verkehrsunternehmen holen.“ Und das wohlgemerkt ehrenamtlich!

Oftmals fehle es in diesem konkreten Fall und auch generell an Unterstützung der für den jeweiligen Bürgerbus zuständigen Verkehrsunternehmen, die von der Politik dazu eigentlich aufgefordert sind. Immerhin: Die gestiegenen Kraftstoffpreise bleiben überwiegend an den Kommunen hängen, wenn sie Defizite absicherten. Dennoch sagt Heckens: „Viele Mitglieder der Bürgerbus-Familie treten ungern an die Kommune heran und bitten um Ausgleich.“

Keine Lobby an Bord

Gleichzeitig taucht eine Art Konkurrenz im Rückspiegel der Bürgerbusse auf: Die jüngste Novelle des Personenbeförderungsgesetzes eröffnet den Kommunen den Einsatz von Digitalisierung und „on-Demand“-Angeboten per App – vereinfacht gesagt: Sammeltaxi à la „Uber“ aus kommunaler Hand. „Das überfordert vor allem ältere Personen, die die Digitalisierung nicht mitmachen können. Das ist nicht für jeden Bedarf das richtige“, ist sich Heckens sicher.

Vielmehr aber bereitet ihm die Entwicklung längerfristig Sorge, wenn Kundschaft auf die neuen digitalen Angebote umsteige: „Bürgerbusse sollen nicht zum Selbstzweck betrieben werden. Wenn aber nur drei Jahre Förderung dieser digitalen Projekte erfolgt, sie dann beendet werden und in dieser Zeit der Bürgerbus mangels Kundschaft eingestellt wurde, kommt er nicht schnell wieder in Betrieb.“

Jene Novelle des Personenbeförderungsgesetz lässt erahnen, dass es dem Bürgerbus an politischer Lobby fehlt. Auch beim allgemeinen Trend hin zu Elektromobilität. Gern würden viele Bürgerbus-Vereine elektrisch fahren. Doch noch sind Ladeinfrastruktur und Anschaffungskosten ein Hindernis. Das schildert auch Sabine Wienpahl. Falls in Kirchheimbolanden genügend ehrenamtliche Fahrer gefunden werden, drücken auch sie das Gaspedal eines Bürgerbusses mit Verbrenner.

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Letzte Aktualisierung: 19.11.2022

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