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Letzte Aktualisierung: 29.10.2020

• Cyberbunker: Machenschaften im Mont Royal

Sendedatum: 19.10.2020 • Format, Länge: Rep 4:04 • Sender: ARD

Vor sieben Jahren verkaufte der Bund einen ehemaligen Bundeswehrbunker an der Mosel. Obwohl Ermittlungsbehörden Zweifel an der Rechtschaffenheit der Käuferschaft hegten. Heute begann der Prozess gegen sie. Der Vorwurf: Betreiben eines kriminellen Rechenzentrums.

Mit der Unterwelt kennen sie sich gewissermaßen aus in Traben-Trarbach: Das Labyrinth aus Weinkellern, zur Jahrhundertwende ein internationaler Handelsplatz von Wein für alle Welt, eine Touristenattraktion.

Mittlerweile gibt es eine neue Unterweltattraktion: Ein fünf Stockwerke tiefer Bunker, Ermittlern zufolge auch ein Handelsplatz, allerdings für die Unterwelt in aller Welt: Hunderte dieser Server sollen Internetshops für Waffen, Drogen, Mordaufträge, Kinderpornografie behergt haben. Vor gut einem Jahr wurde der Bunker filmreif ausgehoben: 600 Einsatzkräfte, 13 Festnahmen.

Für acht Angeklagte heute nun Gerichtstermin. Vorwurf: Beihilfe zu rund 250.000 Straftaten. Hauptbeschuldigter: der Geschäftsführer des Bunkers, Herr X.

O-TON Jörg Angerer, Generalstaatsanwaltschaft Koblenz: „Es ist arbeitsteilig vorgegangen worden: Es hat jeder seinen Aufgabenbereich gehabt. Herr X. war der Kopf, hat alle geschäftlichen Entscheidungen getroffen; ein anderer war Manager, der die Arbeitseinteilung der Mitarbeiter gemacht hat...“

Den Angeklagten seien gar nicht alle Inhalte ihrer Server bekannt gewesen, sagen hingen die Verteidiger.

O-TON Uwe Hegner, Verteidiger des Hauptangeklagten: „Es ist bis heute noch nicht klar, was alles auf diesen Servern ist. Es gab also nicht nur kriminelle sondern auch nicht kriminelle Aktivitäten.“

15.000 Euro im Monat allein für Strom! Die muss man erst mal reinholen. Bürgermeister Patrice Langer arbeitete in dem Bunker, als er noch eine Bundeswehreinrichtung war.

O-TON Patrice Langer, Bürgermeister Traben-Trarbach: „Dieser Bunker ist hochsicherheitsträchtig. mit Kupfer ausgekleidet ... autark.“

Dazu noch eine Top-Internetanbindung – alle diese Vorzüge schien auch Herr X. zu schätzen. Mittels einer Stiftung kaufte er vor sieben Jahren die Anlage dem Bund ab. Auf dem Mont Royal liegt sie, sehr passend, denn X. nannte sich König der Republik Cyberbunker. Sein Hofstaat konnte sich in Traben-Trarbach gut tarnen: Viele Briten und Niederländer sind hierher gezogen. Das schätzte wohl nicht nur Bunkerbetreiber X, sondern auch ein Ire namens M.

O-TON Nicola Tallant, Journalistin Sunday World Irland: „M. ist wohl der am längsten am Leben gebliebene und der größte Vertreter der organisierten Kriminalität Irlands. Er ist über 70, ein reifes Alter für sein Leben in der Unterwelt. Er hat Beziehungen überallhin. Und ich habe absolut keinen Zweifel, dass er auch mit Sicherheitsdiensten zusammenarbeitete. Ohne die überlebt keiner so lange in der Unterwelt.“

M. war wohl einer der Kunden des Cyberbunkers, wenn nicht sogar Investor - das nur, um mal das Geschäftsumfeld des Bunkers anzudeuten.

O-TON Nicola Tallant, Journalistin Sunday World: „X und M waren Geschäftspartner. Sie kratzten sich gegenseitig den Rücken, wie wir hier sprichwörtlich sagen. 15, 20 Jahre ging das so. Der eine brachte das Know how mit, der andere die Beziehungen. Ms Ziel war die Geldwäsche mit Hilfe von Handel im Darknet in der Unterwelt.“

Tatsächlich wissen Anbieter von Rechenzentren in der Regel nicht, wofür die Kundschaft die Technik nutzt. So verfolgten die Ermittler bislang stets nur die Händler und Käufer von Drogen- oder Waffen-Marktplätzen im Internet. Der Prozess in Trier deshalb: juristisches Neuland.

O-TON Christoph Kehlbach, ARD-Rechtsredaktion: „Haben sich die Angeklagten der Beihilfe zu diesen Haupttaten strafbar gemacht? Die Generalstaatsanwaltschaft sagt: ja. Denn die Tathandlung, die war das Bereitstellen und Zur-Verfügung-Stellen dieses Rechenzentrums“

Bis Ende nächsten Jahres sind Verhandlungstermine angesetzt. Solange muss die Generalstaatsanwaltschaft Beweise präsentieren. Es könnte spannend werden, was da noch aus der Tiefe gehoben wird, aus dem Cyberbunker an der Mosel.



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