TV-SKRIPTE

« zurück



Erde: Beginn von Körperlichkeit und sinnlichem Erleben
Land feiert Internationalen Tag des Bodens im CongressCentrum
» lesen


Neue Gesetze mit List und Tücke
Metallinnung informierte sich bei ihrer Vollversammlung über neue Gesetze
» lesen


Zauberhafte Schweinereien in Buchform
Sparkasse gibt Buch mit den Kunst-Sparschweinen heraus
» lesen

Früh übt sich...
Journalimus aus Kinderhänden
Für Journalismus begeisterte ich mich schon als Kind. Das Resultat: die Grundschulzeitung "Jugendpost"
» lesen

In der Pubertät hängengeblieben

Oliver Pochers Zwei-Stunden-Programm blieb nicht jugendfrei

(15.12.2006) jaso. Hängebusen: Für viele ein unangenehmer Beweis, dass Erdanziehungskraft, Bindegewebe und der Zahn der Zeit korrelieren. Ein Umstand, der von der betroffenen Randgruppe nur äußerst ungerne thematisiert wird. Prekär. Und damit genau das richtige für „Comedian“ Oliver Pocher: „Hängebusen: super als Schal!“ Witze über weitere Randgruppen wie „Türken, Behinderte und Italiener“ folgten rasch am Mittwochabend im CongressCentrum.

„It's my life - Aus dem Leben eines B-Promis“ hieß das Programm scheinheilig. Tatsächlich ging es um Sex. Oder um Randgruppen. Oder eben um beides. Denn Pocher ist scheinbar in der Pubertät hängengeblieben. Mit dieser persönlichen Entwicklungsstufe geht es einher, dass der Betroffene den Umgang mit Sexualität spielerisch erlernt. Er redet dann auch einerseits viel darüber und möchte aber auch viel darüber hören. Pocher nahm sich diesen wechselseitigen Bedürfnissen ergiebig an, in dem er - gemäß Ankündigung - seine eigenen Lebens- und Liebeserfahrungen dem Publikum schilderte: „Meinen ersten Sex - ok, sagen wir besser - mein erstes Petting hatte ich bei der Musterung.“ Dieses eindringliche Erlebnis habe sich auf sein weiteres Sexualverhalten ausgewirkt - etwa während seines Zivildienstes im Altenheim: „Die waren nett dort. Sie konnten nicht weglaufen und sich später an nichts erinnern. Wenn doch, glaubte ihnen niemand. Oder ich gab mich als Florian Silbereisen aus.“ Pocher auf der Stadthallenbühne: Klassenclown auf dem Lehrerpult. Alter? 28 Jahre!

Unterschichten-Fernseh-Humor also. Oder Kunst? Es ist in Mode gekommen, nicht mehr dröge Politik oder düsteres Weltgeschehen in Kabarett und Comedy zu thematisieren, sondern das, was auf mehr Interesse stößt: das Fernsehprogramm. Dessen eingedenk kam Pocher auch ganz schnell weg vom eigenen zum Leben der anderen: Popstargrößen wurden veräppelt, Sportler imitiert, Nachmittags-Talkshow nachgespielt oder die Lokalzeitung analysiert: „Vier wertvolle Radkappen gestohlen - Wie spannend! Pforzheim: Da geht was!“

Aber sobald Pocher in seinem zweistündigen Soloprogramm das Themengebiet Sex verließ, wurde es eigentlich richtig lustig: Auf dem Boden krauchend spielte er Zeitlupen-Aufnahmen von gefoulten, italienischen WM-Fußballern nach; er bewies, dass die Mainzelmännchen auf Grund ihres Habitus und die Maus aus der gleichnamigen Kindersendung ihrer klackernden Augen wegen kokainabhängig seien und bald den 1. FC Köln trainieren müssten. Die 1 200 Zuschauer lachten. Die Kunst, guten Humor zu transportieren, beherrscht Pocher also.

Wirklich kunstfertig auch Pochers Schlagfertigkeit, die ihn zum einen zwar zum Außenreporter bei der ZDF-Sendung Wetten-Dass machte, ihm andererseits aber auch 6 000 Euro Schmerzensgeldforderung einbrachte, weil er dabei eine Zuschauerin beleidigt hatte. Und der Blondschopf, der aussieht wie Schwiegermuttis Traummann, schlug wieder schamlos zu: Mikrofon geschnappt, ins Publikum. Wer ihm im Einzelgespräch Paroli bieten konnte, fand die Anerkennung des Publikums. Einen jungen Versicherungs-Azubi trieb der gelernte Versicherungskaufmann Pocher mit einem minutenlangen Gespräch über Fachtermini zur Verzweiflung. Zu spät gekommene junge Damen wurden sofort frech interviewt und ins Hotel eingeladen. Warum er seinen Autogrammwunsch ausschlage, rief ein Fan aus dem Publikum. Pocher arrogant: „Schau Dich doch mal an!“ Publikumsbeschimpfung ist Kunst, wie schon Peter Handke zeigte."

» nächster Artikel

Letzte Aktualisierung: 14.8.2019

» Zufallstext

» nächster Text





Im Magazin:

Weltkindertag:
209 Euro für ein Kind - das ist ein Kunststück

» lesen


Die ersten drei Rabbiner aus Deutschland seit der Nazi-Zeit

» lesen

Ein Tag im Leben eines Mitglieds im Bundestags (2)
Trotz Abstimmungsstress und Arbeit mit "Franz" Wertefreiheit erhalten
Der Arbeitsalltag einer Bundestagsabgeordneten verlangt nicht nur Konzantration und Zeitmanagement, sondern auch Fitness
» lesen

Ein Tag im Leben eines Mitglieds im Bundestags
Politisches bewegen - auch mit Bier
In der Haushaltswoche ergeben sich für den Bundestagsabgeordneten aus Pforzheim kaum Pausen
» lesen

jaso°press
mehr JASO im jasoweb.de
Impressum