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Das Interview:

Talkmaster Wieland Backes spricht im Interview über sein Erfolgsrezept, Nachmittags-Talkshows und die Anfänge vor 16 Jahren

Es gibt wieder Sehnsucht nach Niveau. Vorallem bei der Jugend

(21.02.2003) 600 Besucher kamen am Mittwoch Abend ins CongressCentrum, um von Wieland Backes "Geschichten aus dem Nachtcafé" zu hören (siehe obenstehenden Bericht). Vor der Lesung erzählte der Talkmaster unserem Mitarbeiter Juri Sonnenholzner von der Sehnsucht nach Niveau, seiner Promotion über "Planung und Lebensbedingungen in Ballungsräumen" und dem Erbe Alfred Bioleks.


Kurier: 16 Jahre Sendung, über 250 Ausgaben, steigende Zuschauerzahlen, nur ein entsprungener Gast. Was ist das Erfolgsrezept?


Backes: Man darf nicht nachlassen. Immer muss eine engagierte Redaktion und aufwendige Recherchen hinter der Sendung stehen.

Kurier: Wie sieht der Aufwand im Einzelnen aus?


Backes: Zunächst diskutieren wir in unserer achtköpfigen Basisredaktion über mögliche Themen. Die Geprächsrunden werden dabei theoretisch aufgestellt: In der Sendung dieser Woche geht es zum Beispiel um "Lachen produzieren". Zu unserer Runde muss also mindestens gehören: ein Teilnehmer aus der Karnevalsriege, eine Karnevalskritiker, ein Humor-Anarcho. Außerdem haben wir noch eine Lach-Therapeutin zu Gast. Nach dieser theoretischen Festlegung müssen die entsprechen den Gäste gefunden werden. Wenn die dann zusagen, finden Vorgespräche statt, um ihre Fernsehtauglichkeit einschätzen und ein wirklich gegensätzliche Runde konstituieren zu können. Oft gibt es noch ein zweites Vorgespräch mit mir. Dazu informiere ich mich über den Gast anhand von Dossiers. Dann schreibe ich noch eineinhalb Tage an den Moderationen. Morgens zwischen 7 und 10 Uhr kommen mir dazu die besten Ideen.


Kurier: Sie gehen nach der Aufzeichnung mit den Gästen oft noch Abendes sen. Ergaben sich Freundschaften mit Gästen?


Backes: Wenige, aber wenige gute. Bei vielen weiß ich, wenn ich einen Tipp brauche, kann ich da mal vorbeikommen oder anrufen. Prominente sind meist viel beschäftigt. Da verabredet man sich nicht gleich zum Sonntagsspaziergang.


Kurier: Gab es auch Feindschaften? In Ihrem Buch beschreiben Sie, wie Regisseur Dieter Wedel Ihr Studio wutent brandt verließ, nachdem er sie noch hart kitisiert hatte?


Backes: Nein. Es gibt sicherlich eine ganz kleine Zahl, nicht mal zehn, die, wenn sie meinen Namen hören, zu schimpfen beginnen oder sich in Grausen abwenden würden.


Kurier: Über 1 800 Gäste zählt ihre Gästeliste schon. Wen wünschen Sie sich denn noch?


Backes: Natürlich waren viele A-Promis noch nicht da. Mit Senta Berger sind viele vereinbarte Termine bisher gescheitert. Aber jetzt sieht es ganz gut aus. Schwierig ist es auch geworden, manchen Wunschkandidaten zu bekommen, weil ein Kampf der Talkshows entbrannt ist. Aber viele Gäste halten uns zu Gute, dass wir seriös arbeiten.


Kurier: Weniger seriös wirken die Kollegen der Privatsendern. Wenn sie nach mittags das Fernsehen anmachen: Was geht Ihnen da durch den Kopf?


Backes: Die Entwicklung bei den kommerziellen Anstalten war eine Entwicklung auf der nach unten offenen Richterskala, was das Niveau betrifft. Diese Entwicklung ist für mich natürlich ein Horror. Der Name "Talkshow" ist dadurch schwer in Verruf geraten. Aber es ist so, als wenn sie das Wort "Zeitschrift" auf der einen Seite mit dem "Spiegel", auf der an deren Seite mit den "Sankt-Pauli-Nachrichten" in einem Atemzug nennen würden. Für mich war diese Nachmittags-Talkshow-Welle - die glücklicherweise etwas abgeklungen ist - ein Abstieg in die tiefsten Niederungen des sen, was im Medium Fernsehen möglich ist. Wir haben uns tendenziell nie an solch einer Entwicklung beteiligt. Die Zuschauer haben es uns gedankt. Denn es gibt eine Sehnsucht nach Niveau, die durch Mangel an Niveau im Fernsehen größer geworden ist. Gerade heute spüren wir auch bei Jugendlichen wieder eine große Sehnsucht nach Inhalten, nach Sinn, nach Antworten auf die Frage, wie gehe ich mein eigenes Leben an, welche Ziele stecke ich mir.


Kurier: Ein Lebensmodell zeigten Sie auch mit einem älteren Ehepaar aus dem Enzkreis, dass sich ewige Liebe geschworen hatte. Können Sie sich an weitere Gäste aus Pforzheim erinnern?


Backes: Oh ja. Natürlich! René Weller. Oder Frau Frech-Becker. Dann hatten wir aus der Nähe von Pforzheim eine Skatweltmeisterin. Das Ehepaar, das lange verheiratet war und sich die ewige Treue geschworen hatte - das war eines unserer unzähligen Liebesthemen.


Kurier: Sind Ihnen Themen, die mit Liebe zu tun haben, nicht so recht? Ist da der Grad zum Niveauverlust zu schmal?


Backes: Nein. Bei uns ist die Komponente Sex in unserer Sendung zwar stark rückläufig. Vielleicht ist das altersbedingt. Aber unser Spektrum ist sehr groß. Beziehungsthemen wie "Liebe im Alltag" oder "Trennungen" sind unserere erfolgreichsten Themen. Sie haben mit Lebensabläufen und -entwürfen zu tun. Das betrifft automatisch eine große Zuschauerschaft. Jeder steht in Beziehungen. Der Zuschauer kann den Transfer machen zu seinem eigenen Leben, kann vergleichen. Das ist der Hauptmechanismus, den eine Sendung wie unsere eigentlich auslöst: Dass man hofft, für das eigene Leben etwas mitzunehmen, aus dem Vergleich mit anderer Biografien.


Kurier: Diese Lebenstipps gibt es jetzt auch in Buchform. Titel "Geschichten aus dem Nachtcafé.


Backes: Das Buch war für mich was neues. Ich habe mich lange gestreubt, ein Buch zu schreiben. Dann kam die 250. Sendung und dann entschied sich die Redaktion zu einem Buch. Ich wollte das nicht einem Ghostwriter überlassen. Das war dann ein Akt der Disziplin, neben dem Sendebetrieb ein Buch zu schreiben. Aber es war auch ein großes Vergnügen, mit Sprache zu arbeiten. Ich hoffe, das merkt man dem Buch an. Ich habe Episoden ausgwählt auf Grund Sendungslisten und meiner Erinnerung. Ich war zum Glück ja bei jeder Sendung dabei.


Kurier: Mit dem Aufwand, viele Seiten zu schreiben, waren Sie aber schon vertraut. Sie promovierten über "Planung und Lebensbedingungen in Ballunsräumen". Wie ging es dann ins Fernsehen?


Backes: Ich hatte immer zwei Leidenschaften: Von klein auf interessierte ich mich immer sehr für Naturwissenschaften. Dann wollte meine Familie aber auch, dass der Bub was solides studiert. Aber parallel dazu hatte sich schon in der Schulzeit eine Leidenschaft für Auftritte und für Filme ausgebildet. Schon als Schüler drehten wir mehrere Filme, Schulveranstaltunen moderierte ich als Schulsprecher - ohne daran zu denken, dass das eine ernsthafte Phacette meines Lebens werden könnte. Als ich dann promovieren wollte, fragte ich meinen Doktorvater, ob ich zur Promotion dazu einen Film produzieren könnte. Hätte er nein gesagt, wäre ich jetzt vielleicht nicht beim Fernsehen.


Kurier: Dort ging es dann in die "Abendschau", deren Leitung sie fünf Jahre inne hatten.


Backes: Vom Hospitanten bis zu Chef war ich mit der Abendschau verbunden. Parallel dazu entwickelte ich kleine Revuen, Studiosendungen mit Talkcharakter. Ich hatte dort Spielwiesen. Als die "Abendschau" einem natürlichen Ende entgegen ging, machte ich den Vorschlag für eine neue Abteilung "Journalistische Unterhaltung" für den schmalen Grad zwischen Information und Unterhaltung. Mit einer klitzekleinen Redaktion zogen wir in eine Mietwohung und bereiteteten das Nacht café vor oder "Auf der Couch", mit der wir eine Zeit lang in der ARD waren.


Kurier: Was Talkshows in der ARD betrifft: Warum wurden sie nicht Nachfolger von Alfred Biolek?


Backes: Guter Vorschlag, sehr guter Vorschlag! Aber Spaß beiseite: Das ist ja alles schon bestens geregelt. Sandra Maischberger schätze ich sehr. ARD-Herausforderungen brauchen immer eine besondere Vorbereitung. Im Augenblick möchte der SWR das eigene Dritte Programm sehr gut positionieren. Klar hat es für jeden Moderator einen Reiz, wenn man von der Kritik schon als "Bundesliga" gehandelt wird, dann in der Bundesliga wirklich mitzuspielen. Aber das ist ohne unruhig zu werden.


Kurier: Das Nachtcafé wird es also im Ersten nicht geben?


Backes:Kurzfristig glaube ich nicht."

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Letzte Aktualisierung: 16.2.2022

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