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Neuer Hygienestandard

Keine Keimschleuder Kfz-Klimaanlage

Der Verein Deutscher Ingenieure fordert ein Umdenken bei der Wartung von Kfz-Klimaanlagen. Andernfalls blasen sich Autofahrer weiterhin Pollen, Pilze und Partikel ins Gesicht.

(09.06.2024) Wenn die Sonne den Innenraum des Autos heiß werden ließ, dann öffnete mancher Automobilist einst eine kleine Frischluftklappe unterhalb der Windschutzscheibe oder ein Ausstellfenster. Der Fahrtwind blies so direkt in den Innenraum und vielleicht auch kühlend ins Antlitz der Insassen.

Einfache Technik, aber leider auch nur für einfacheres Komfort-Bewusstsein. Wer es komplex-angenehmer haben wollte und finanziell ausgestattet dazu war, der konnte seit den 60er Jahren Wagen mit Klimaanlage ordern. Mittlerweile gehören sie zur Basisausstattung vieler Fahrzeuge. Positiver Nebeneffekt: Ein kühler Kopf bewahrt vor Fahrfehlern, Studien belegen höheres Unfallrisiko bei höherer Temperatur im Auto.

„Jedes dritte Fahrzeug belastet“

Die körperliche Unversehrtheit leidet laut Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in vielen Fällen aber auch unter der kühlenden Raumluftbehandlung: „Nach unseren Untersuchungen ist jedes dritte Fahrzeug stark bis sehr stark belastet, vor allem mit Mikroorganismen“, sagt Andreas Winkens. Er ist Inhaber eines Ingenieurbüros mit Schwerpunkt für Raumluftqualität und Vorsitzender der VDI-Richtliniengremien zur Lufthygiene.

Eigentlich sollten im Fahrzeug verbaute Innenraumfilter ungewünschte Mitfahrer draußen halten. Doch sind die Filter alt, voll oder fehlerhaft eingebaut, finden Pollen, Schimmelpilze oder Feinstaub und Rußpartikel dennoch Eingang ins Fahrzeuginnere. Ein später Beleg dafür: Es stinkt! „Die Filter werden mit der Zeit sogar zu Speichern. Wenn die Filter nicht regelmäßig oder unfachgemäß gewechselt werden, habe ich natürlich ein Problem“, erklärt Winkens.

Wenige Studien zu Gesundheitsfolgen

„Grundsätzlich ist bei Klimaanlagen, die schlecht gewartet sind und aufgrund deren Funktionalität, die Entwicklung einer Lungenerkrankung im Sinne einer exogen allergischen Alveolitis, kurz EAA, möglich, die sogenannte ‚Befeuchterlunge‘“, erklärt Frank Powitz vom Bundesverband Deutscher Pneumologen.

Diese Erkrankung könne durch sehr viele verschiedene Faktoren entstehen, eben auch durch Einatmen von organischen Partikeln wie Pilzen oder Bakterien in kontaminierten Klimaanlagen. „Allerdings gibt es keine differenzierte Datenlage zur EAA durch Autoklimaanlagen“, schränkt Powitz ein.

„Zu lässig an die Sache herangegangen“

Tatsächlich gibt es wenig belastbare Studien zum Thema Gesundheit und Kfz-Klimaanlage. Dennoch klingt es einleuchtend, wenn Ärzte wie Powitz zu regelmäßigem Wechsel des Filters der Lüftungsanlage aufrufen aufgrund „permanent höhere Pollenlast infolge des Klimawandels und einer erheblichen Zunahme von allergischen Erkrankungen“.

Doch viele Kfz-Werkstätten widmen sich der Kfz-Klimaanlagen zwar schnell und billig, einer Qualitätsprüfung hielten die Ergebnisse aber nicht stand, berichtet Winkens: „Man ist da bisher ein wenig zu lässig an die Sache herangegangen.“

Zum Einsatz kämen Schäume, Ultraschallvernebler und anderes zum Übertünchen mit Duftstoffen. „Die Methoden stehen allesamt für einen grundsätzlich fehlenden Hygiene-Standard und für die mangelhafte Wartung und Reinigung von Kfz-Klimaanlagen in der gesamten Automobilbranche.“

Neuer Standard für die Kfz-Branche

Dem soll eine neue Richtlinie entgegenwirken. Diesen neuen Branchen-Standard für die Reinigung von Klimaanlagen haben VDI und der Verband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe ZDK nun vorgestellt. Die Richtlinie sieht unter anderem mehr Schulungen, mehr Sensibilisierungen für das Thema in Kfz-Werkstätten und eine jährliche tiefergehende Reinigung der Klimaanlage als bisher vor.

„In Gebäuden ist das überhaupt kein Thema, da werden die Filter jährlich gewechselt“, gibt Winkens zu bedenken. Im engen Raum Auto hingegen sehen manche Hersteller einen Wechsel nach drei, vier Jahren vor. Zu spät für Winkens: „Das ergibt überhaupt keinen Sinn, wenn Sie sich ältere Filter anschauen. Wenn Sie sehen, was da drinsteckt, da wird Ihnen schlecht!“

Winkens empfiehlt am besten einen Filterwechsel jedes halbe Jahr, zu Beginn der Pollensaison und nach deren Ende, vor dem Winter. Andernfalls führen Autobesitzer Mikroorganismen in der heizenden Lüftungsanlage durch den Winter spazieren und schenkten ihnen zur Weihnachtszeit ein wohligwarmes Habitat zum Wachsen und Gedeihen.

Vorsicht bei Hilf-Dir-selbst-Lösungen

Einen Filterwechsel können bei manchen Fahrzeugen ein wenig versierte Autobesitzer vielleicht noch selbst erfolgreich vornehmen. Anders sieht es allerdings bei der Reinigung des Kernstücks der Klimaanlage aus, dem Verdampfer. Da er meist tief im Autoinneren verbaut ist, kann seinen Bewohnern meist nur geschultes Personal zu Leibe rücken.

Zwischen seinen engen Lamellen herrscht ein feuchtes Milieu – viel Nährboden für Schimmelpilze, Keime und Bakterien. Sie werden von hier aus ungefiltert in die Belüftungsschläuche des Fahrzeugs gepustet – selbst wenn die Kühlfunktion nicht aktiv ist. „Der Verdampfer ist für die Reduktion von Keimen, Allergenen und aller Arten von Biowachstum das zentrale Bauteil. Ist er belastet, ist es auch die Luft“, erklärt Winkens. Nur die spezielle Behandlung in der Werkstatt könne helfen.

“Klima-Service“: irreführende Begriffe

Von Desinfektionssprays in Klickdosen, die in Hilf-Dir-selbst-Internetvideos angepriesenen werden, hält ZDK-Vizepräsident Detlef Grün wenig: „Wir haben sie in unserer Werkstatt früher selbst benutzt. Aber nach den Tests sehe ich ihren Wert anders.“ Meist sind es Spray-Dosen, die im Auto bei eingeschalter Klimaanlage aktiviert werden. Der Nutzer verlässt das Auto und die Klimaanlage soll nun das sich im Innenraum verteilende Spray einsaugen und die Anlage damit reinigen.

„Wenn Oberflächen mikrobiologisch verschmutzt sind, löst sich der Schmutz nicht, weil irgendein Gas vorbeigeflogen kommt. Wir duschen uns ja auch nicht mit Sprays“, schüttelt Winkens den Kopf und macht auf einen Nebeneffekt aufmerksam: „Das Gas bleibt lange im Innenraum, der Fahrzeugnutzer atmet so jede Menge von den konzentrierten, schädigenden Stoffen ein.“

Letztendlich sollte sich die Kundschaft nicht von günstigen Begriffen wie „Klimaservice“ oder „Klimacheck“ blenden lassen, wünscht sich Winkens, sondern gezielt nach der neuen „VDI/ZDK-Richtlinie 6032“ fragen, um eine Reinigung des gesamten Klimasystems zu erhalten. Die sei zwar nicht für 15 Euro zu haben, aber verhindere so manches Unbehagen: In Innenraumluftfiltern fanden Mechaniker schon verweste Mäuse.

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Letzte Aktualisierung: 9.6.2024

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